Bildungsreise 2015: Von Schwaben bis ins österreicherische Voralberg

Eine äußerst aufschlußreiche Bildungsreise der Bayerischen Bezirkstagsmitglieder

Einige Fotos von der Reise (privat)

Grüne BezirksrätInnen mit Kerstin Celina, MdL, Manchfred Lucha, MdL BaWü, Peter Gack
Im Bergbauernmuseum Diepolz
Psych. Zentrum Friedrichshafen mit Gsf Ulrich Ott
Holzwerkstatt mit Gabriele Bayer
ifs. Gruppenbild
Museum: Friedensräume, Lindau
Blick vom Bergbauernmuseum Diepolz, vom BZ Schwaben unterstützt

Bildungsreise der Bayerischen GRÜNEN BezirksrätInnen im Oktober 2015

Der erste Programmpunkt unserer Bildungsreise waren die Unterallgäuer Werkstätten in Memmingen. Das besondere Interesse unseres Besuchs galt dem Projekt INTEGRA mensch und der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung im ersten Arbeitsmarkt. Empfangen wurden wir von Geschäftsführer Wolfgang Beuchel und von der pädagogischen Leiterin Marie-Luise Breitfeld. Memmingen zeigt ein hohes Engagement mit kreativen Ideen Menschen mit Behinderung entsprechend ihren Fähigkeiten und Wünschen angemessen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Bei ca. 10 % der Menschen in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) gelingt dies in Kooperation mit über 60 Betrieben in der Region.
Näheres unter http://www.uaw-mm.de/berufliche-integration.html

Ebenfalls um das Thema berufliche Integration ging es bei unserem Besuch beim Institut für Sozialdienste in Vorarlberg (IfS). Begrüßt wurden wir u.a. von der Leitung der ifs assistenz, Frau Elisabeth Kern, von der Leiterin von ifs spagat, Frau Karin Stefanzl und von Lukas Alton, einem IfS-Mitarbeiter. Das IfS selbst hat keine Werkstätten, sondern hat im Rahmen ihres Aufgabenfelds "Assistenz für Menschen mit Beeinträchtigung" ein Modell zur beruflichen Integration von Menschen mit erheblichen Behinderungen entwickelt. Das Arbeitsgebiet ifs spagat unterstützt, begleitet und vermittelt in den ersten Arbeitsmarkt. Ein wesentlicher Baustein ist die persönliche Zukunftsplanung. Durch die intensive Zusammenarbeit von für den Betroffenen wichtigen Personen (dem so genannten Unterstützungskreis aus Lehrern, Eltern, Familie, Freunden, etc.) entstehen unterschiedliche Ideen und Sichtweisen für den Integrationsprozess. Zielgruppen sind Menschen mit schweren Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf, die den Wunsch haben auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten. Der Erfolg spricht für sich. In Vorarlberg (380.000 Einwohner) ist es über ifs spagat gelungen 350 integrative Arbeitsplätze im ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf zu schaffen. Kennzeichen sind die Unterstützerkreise aus dem direkten sozialen Umfeld, ein Mentoring-System beim Arbeitgeber, ein Mobilitätstraining, so dass in allen Fällen ohne individuellen Fahrdienst ausgekommen werden kann und ein Spagatberater als Assistent und Ansprechpartner für die Akteure. Instrumente der staatlichen Unterstützung dabei sind: Lohnkostenzuschuss, Minderkostenausgleich, Mentorenzuschuss, Assistenz durch Integrationsberatung.
Weitere Infos unter: http://www.ifs.at/spagat.html

Joachim Hagleitner, Psychiatriekoordinator im Amt der Vorarlberger Landesregierung, erläuterte  das Psychiatriekonzept des Landes Vorarlberg und ging dabei auf die aktuellen Rahmenbedingung im Bereich psychischer Gesundheit in Österreich ein. Insgesamt nehmen 900.000 Menschen in Österreich eine Leistung der Krankenversicherung in Anspruch, die in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen steht; 840.000 Menschen nehmen Psychopharmaka in Anspruch, rund 70.000 Menschen haben einen stationären Aufenthalt an einer Abteilung für Psychiatrie. Insgesamt gibt es 78.000 Krankenstände aufgrund psychischer Erkrankung, die außerdem eine der Hauptursachen für Berufsunfähigkeit/Pensionierung darstellt; drei bis fünf Prozent der Bevölkerung sind schwer betroffen. Aufgrund verschiedener Zielsetzungen wurde das Vorarlberger Psychiatriekonzept 2015-2025 in einem Beteiligungsprozess (95 Stellungnahmen von 54 Systempartnern und mehreren Zukunftswerkstätten) erarbeitet. Das Psychiatriekonzept basiert auf vier Säulen, nämlich Inklusion, Prävention, Planung und Evaluation und Differenzierung und Integration. Ganz konkret beinhaltet das Konzept zwei Basisinnovationen, nämlich Psychiatriekoordinationsstelle und Regionale Anlaufstellen für seelische Gesundheit und soziale Fragen sowie zehn konkrete Entwicklungsprojekte innerhalb von zehn Jahren. Bei den zehn Projekten handelt es sich um Sozialpsychiatrische Dienste auf Bezirksebene, Ambulant betreutes Wohnen, Sozialpsychiatrische Ambulanzen für Kinder und Jugendliche, Aufsuchende Krisen- und Notfallhilfe, Arbeitsrehabilitation für psychisch erkrankte Menschen, Integrative Beschäftigungsprogramme, Projekt Seelische Gesundheit für Kinder und Jugendliche, Integrierte Suchtberatungsstellen, Gerontopsychiatrische Kompetenzteams auf Bezirksebene und Psychotherapie in Prävention und Rehabilitation.  Dabei spielt die "Partnerschaftliche Zielsteuerung-Gesundheit" zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern eine tragende Rolle.
Mehr unter: http://www.vorarlberg.at/pdf/vorarlbergerpsychiatrieko.pdf

Beim Gespräch mit den GRÜNEN in Vorarlberg erläuterten Cornelia Matt, Gemeindegruppenkoordinatorin der Grünen Vorarlberg, und Christoph Metzler, Landtagsabgeordneter und Grüner Gemeinderat in Rankweil, die politischen Rahmenbedingungen in Vorarlberg. Aktuell bilden die GRÜNEN zusammen mit der ÖPV die Regierung. Die GRÜNEN hatten bei den Wahlen einen Anteil von 17 Prozent und stellen zwei Landesminister. Hauptthemen im Wahlkampf waren Bildung und Bio-Anbau. Hauptzielgruppe im Wahlkampf waren junge Wählerinnen und Wähler. Der Wahlkampf wurde sehr professionell aufgezogen und geführt. Es gab ein ausführliches  Wahlkampfhandbuch und ein Fotoshooting der SpitzenkandidatInnen mit einem Starfotografen. Neben vielen inhaltlichen Themen, die besprochen wurden, gefiel uns ganz besonders die Tarifgestaltung im ÖPNV: für 365,- € im Jahr, also einem Euro am Tag steht den Vorarlbergern die komplette Nutzung des ÖPNVs einschließlich Bahn frei!
 
Äußerst interessant und aufschlussreich war auch der Besuch des Gemeindepsychiatrischen Zentrums in Friedrichshafen (GPZ) und das dort stattfindende Gespräch mit dem GRÜNEN Landtagsabgeordneten Manfred Lucha. Begrüßt wurden wir vom Geschäftsführer des GPZ Ulrich Ott und von der Sprecherin der Trägergemeinschaft Gemeindepsychiatrischen Verbunds (GPV) Brigitte Göltz. Seit Mitte der 80er Jahre wurde in Friedrichshafen damit begonnen, ein dichtes Netz von Versorgungs- und Betreuungsangeboten für psychisch kranke Menschen aufzubauen. Mit viel Dynamik haben dabei mehrere Träger gemeinsam mit dem Landkreis differenzierte ambulante Hilfestrukturen aufgebaut. Am 1. Oktober 2004 wurde auf vertraglicher Basis der GPV gegründet. Zentrale Einrichtung ist das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ), das in einem ehemaligen Möbelhaus und aktuell erweitert an Stelle eines früheren Kinos zentral mitten in Friedrichshafen niederschwellige Angebote bereithält und das sich mehr und mehr von einem gemeindepsychiatrischen Zentrum hin zu einem sozio-kulturellen Zentrum entwickelt, in der neben den psychisch Angeschlagenen auch alle Menschen aus der Umgebung Raum für Aufenthalt, Gespräche, Kulturveranstaltung und gastronomische Versorgung finden.
Näheres zum GPV unter: http://gruenlink.de/11ue
und zum GPZ: http://gpz.lubado.de

Seit 1. Januar 2015 ist in Baden-Württemberg das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) in Kraft getreten. Im Gespräch mit einem der Väter des PsychKHG, Manfred Lucha, MdL, wurde deutlich, wieviel Arbeit in der Erarbeitung dieses Gesetzeswerk steckt und welche Befindlichkeiten bei Kostenträgern, Leistungserbringern und Betroffenen alles zu berücksichtigen sind. Eine hart zu knackende Nuss war beispielsweise die Einbettung und Finanzierung der Sozialpsychiatrischen Dienste, was aber nach zähen Verhandlungen gelang.
Das Gesetz findet sich unter: http://gruenlink.de/11uf

Die "Friedens Räume" in der Villa Lindenhof in Lindau ist ein Museum in Bewegung. Getragen von Pax Christi Augsburg und unterstützt durch die Stadt Lindau, durch den Bezirk Schwaben und durch einen Freundeskreis präsentiert "Friedens Räume" Räume und Ausstellungsgegenstände, die zum Frieden einladen. Es ist bewusst kein Anti-Kriegs-Museum. Vielmehr sollen die Räume Mut machen zum eigenen Handeln anregen und positive Beispiele zeigen. Die Besucher/innen werden aktiv einbezogen und auf verschiedenen Sinnesebenen angesprochen. Die Räume bilden interaktives Forum mit vielfältigen Impulsen.
Näheres unter http://www.friedens-raeume.de/

Was in Friedrichshafen mit dem GPZ im Großen und im Verbund gelang, wird in Immenstadt (Lkr. Oberallgäu) im Kleinen gelebt. Indra Baier-Müller, Geschäftsführerin der Diakonie Kempten und unsere GRÜNE Bezirksrätin Barbara Holzmann erläuterten uns vor Ort in Immenstadt im Sozialpsychiatrische Zentrum Oberallgäu (SPZ) das Konzept und stellten das umfassende Angebot vor: Beratung, Tagesstruktur, ambulant betreuten Wohnen bis zu einer engen Kooperation mit der Institutsambulanz reicht.
Näheres unter: http://www.diakonie-kempten.de/index.php?id=43  

Einen gleichermaßen informativen wie geselligen Abschluss fand unsere Bildungsreise im Allgäuer Bergbauernmuseum in Immenstadt-Diepholz, welches ebenfalls vom Bezirk Schwaben im Invest mit gefördert wurde. Erster Vorstand des Allgäuer Bergbauernmuseum e.V., Siegfried Zengerle erläuterte uns das Konzept. Das auf über 1000 Meter Höhe gelegene Freilichtmuseum ermöglicht Einblicke in das Leben und Arbeiten der Allgäuer Bergbauern und ist ein "Museum zum Anfassen". Neben historischen Bauernhöfen gibt es einen aktiv bewirtschafteten Bauernhof, welcher 2014 mit dem „begehbaren Kuhmagen“ ergänzt wurde. Die GRÜNEN BezirksrätInnen erhielten sodann die Gelegenheit bei einer kompetenten Führung durch Museumspädagogin Petra Koch das Museum „selbst anzufassen“ und bei einem kulinarischem Ausklang auf der Höflealp und bei bestem Herbstwetter und herrlicher Sicht die Bildungsreise zu beenden.
Näheres: http://www.bergbauernmuseum.de/willkommen.html