Keine Pflanzengifte mehr auf Kreiseigenen Grünflächen

Landkreis Miesbach macht Ernst

Achergauchheil

Die Verwaltung des Landratsamtes Miesbach hat nun umfassend die Verwendung von Pflanzengiften auf seinen Liegenschaften verboten - schönfärberisch als "„Pflanzenschutzmittel" umschrieben. Das Verbot gilt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes und für alle Flächen. Der Nichtverwendung haben auch die Kommunalunternehmen zugestimmt, so das Krankenhaus Agatharied, das Seniorenzentrum "Der Schwaighof" und das Verwertungsunternehmen VIVO. In einer Dienstanweisung heißt es, auch für das Amt tätige Drittunternehmen unterstehen diesen Regeln. Ausnahmen sind nur bei zwingenden Gründen mit schriftlicher Genehmigung des Landrates möglich.

"Ich halte dies für einen wichtigen Schritt hin zu gelebtem Umweltschutz", sagte Landrat Wolfgang Rzehak, "für die Bürgerinnen und Bürger ist es sehr wichtig, dass wir diese Gifte aus unseren natürlichen Kreisläufen verbannen. Selbstverständlich hoffe ich, dass andere Landkreise oder Gebietskörperschaften diesem Vorbild folgen. Auch für Privatpersonen und für Wirtschaftsunternehmen wollen wir als öffentlicher Dienst ein Vorbild sein. Unser Wunschziel ist es, den ganzen Landkreis Miesbach – die Natur und die Menschen - endgültig von diesen gefährlichen Giften zu befreien. Ein erster Schritt ist gemacht!"

Alternative: Heißwasser
Alternative, viel weniger aggressive Methoden der Wildkräuter-Kontrolle funktionieren bereits sehr wirksam: Bei der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechung am Montag soll den Gemeindevorstehern vorgeführt werden, wie die Regulierung nur mit heißem Wasser arbeitet. Ein Mitarbeiter der pro communo AG wird ein Großgerät vorstellen. Dazu heißt es: "Mit modernen Heißwasserverfahren wird das Unkraut hocheffizient und gleichzeitig umweltfreundlich bekämpft. Sowohl auf gekiesten Wegen wie auch auf gepflasterten Flächen wird mittels Sensorik das organische Material erkannt und dann gezielt mit Heißwasser behandelt. Wurzeln werden geschädigt, Samen und Blätter sterben nach der Behandlung ab. Eine Nachbearbeitung ist nicht notwendig."

Pestizide auf befestigten Flächen ist verboten!
Rechtliche Grundlagen im Bericht des Bayerischer Landschaftsbau

zusammengestellt von Klaus Kuhn.
Giftfreie befestigte Flächen. Antrag bzw. Aufklärung.

Garten und LandschaftsBau-Report: Herbizide auf befestigten Flächen verboten

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen unerwünschten Bewuchs ist nur auf Flächen erlaubt, die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, darauf macht der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Rheinland aufmerksam. Grund des Verbotes ist, dass die Mittel zur Unkrautbekämpfung häufig auf Flächen eingesetzt wurden, von denen kein Oberflächenwasser versickern kann und die über die Kanalisation entwässert werden. Auch ein biologischer Abbau im Boden ist auf diesen Flächen nicht möglich. Im Interesse des Wasser- und Umweltschutzes empfiehlt das Pflanzenschutzamt gegen unerwünschten Bewuchs mit mechanischen Methoden, wie Hacken oder Kratzen, vorzugehen. Dieses Herbizidverbot gilt für alle Flächen, die nicht landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, also auch Industriegelände, Bahngleise oder kommunale Flächen, wie Marktplätze oder Friedhofswege. Eine Ausnahmegenehmigung von diesem Herbizidverbot kann erteilt werden, wenn keine anderen Maßnahmen der Unkrautbekämpfung möglich oder wirtschaftlich zumutbar sind.
Die Quelle ist das Pflanzenschutzgesetz
Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen Pflanzenschutzgesetz - PflSchG, Fassung vom 14. Mai 1998
(BGBl. I 1998 S. 971, berichtigt am 18. Juni 1998, BGBl. I 1998 S. 1527 und am 27. November 1998, BGBl. I 1998 S. 3512)

Die ganze Zusammenstellung der gesetzlichen Grundlagen und Argumente als Download: AntrPestiflaechen