Partnerschaftsprojekt Heimenkirch/Ghazzé

Bürgermeister Markus Reichart, Heimenkirch

Flüchtlingscamp Ghazze
Bürgermeister und die Kinder im Lager
Ortseingang Ghazze

Das Dorf Ghazzé befindet sich im westlichen Teil des libanesischen Bekaa-Tals. Wie im größten Teil des ländlichen Libanons steht die Region vor einigen drängenden sozioökonomischen Herausforderungen, die durch die 2012 begonnene syrische Flüchtlingskrise noch verschärft wurden. Vor der syrischen Krise lebten in Ghazzé rund 8.000 Einwohner (jetzt: 6.000). Es gibt eine lokale Wirtschaftsstruktur, die hauptsächlich von der Landwirtschaft, kleinen Unternehmen und den Überweisungen der fast 5.000 Exil-Libanesen, die überwiegend in Brasilien, Venezuela, Chile, USA und den Golfstaaten leben, angetrieben wird. Aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Möglichkeiten sind viele junge Menschen ausgewandert, um anderswo bessere Möglichkeiten zu finden, bevor sie nach Ghazzé zurückkehren.

Ghazzé ist durch den Ausbruch des Bürgerkrieges im benachbarten Syrien Heimat von 30.000 syrischen Flüchtlingen, von denen rund 50% unter 18 Jahre alt sind. Die Hälfte der syrischen Flüchtlinge hat sich in dem ausufernden Stadtgefüge niedergelassen und lebt oft in den unbewohnten Häusern der Diaspora . Die andere Hälfte lebt in Zelt-Siedlungen.
Die Gemeinde Heimenkirch möchte vorrangig Know How in den Bereichen Trinkwasser / Grundwasser / Oberflächenentwässerung einbringen. Ferner sind uns die Nachhaltigkeit und das Erbringen von ehrenamtlichen Leistungen der libanesischen Bürgerschaft und der syrischen Menschen auf der Flucht bei diesem Projekt wichtig, wobei hierzu ebenfalls Erfahrungen und Know How transferiert werden sollen.

Dieser rasante Bevölkerungszuwachs stellt die Gemeinde Ghazzé, welche sich unweit der syrisch-libanesischen Grenze befindet, vor große Herausforderungen bei Planung und öffentlichen Dienstleistungen. Die bisherige Nothilfe leistet das Notwendigste. Aber mehr ist erforderlich, wie öffentliche Dienstleistungen, Abwasser oder Abfallwirtschaft. Das ist eine große Herausforderung für die Kommune, welche bereits durch die Bereitstellung von Einrichtungen für so viele Flüchtlinge ernsthaft überfordert sind. Die Vereinigung Niederländischer Gemeinden (VNG) hat das Resilienzprogramm der lokalen Regierung (LOGOReP) ins Leben gerufen - ein Programm, in dem Fachwissen und Wissen aus den Niederlanden zur Unterstützung von Regierungsstellen im Libanon und Jordanien, zur Verbesserung der öffentlichen Grundversorgung wie Trinkwasser, Abfallwirtschaft und öffentlicher Raum transferiert werden. Ghazze ist eine der Gemeinden, die am LOGORep-Programm teilnehmen und die Gemeinde Heimenkirch schließt sich diesem Programm an.
Die Gemeinde Ghazzé hat signalisiert, sehr glücklich über die Heimenkircher Angebote zu sein und konkret Bedarf für diese Bereiche angemeldet und die erforderliche Kooperation zugesagt.

Wir agieren im Rahmen der Initiative "Kommunales Know How für Nahost" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, über welches auch die Finanzierung erfolgt. Die Engagement Global gGmbH sowie die Servicestelle Kommunen in der einen Welt (SKEW) unterstützen uns hierbei. Mit uns engagieren sich vier weitere Kommunen aus den Landkreisen Ravensburg und Lindau zur Bekämpfung von Fluchtursachen in Nahost.

Hier noch zwei Links zu unserem Engagement (Erklärvideo + Doku Libanon-Reise im November 2017):
Erklärvideo zur Initiative 
Sondierungsreise in den Libanon  

Eine von mehreren Pressemeldungen dazu

Schwäbische Zeitung 18.12.2017: LINK.
Augsburger Allgemeine 3.9.2018. Download.